Ein Nachschlagewerk zu Schärfmitteln auf Mikrometerbasis
Am Anfang stand eine Frage, die uns immer wieder gestellt wurde: Ein Freund wollte wissen, ob ein Wasserstein #1000 wirklich feiner ist als eine Diamantplatte mit Körnung 600. Ein Kunde fragte, wie sich die ZenSharp-Karten zu den Steinen auf seiner Werkbank einordnen. Es gab keinen gemeinsamen Ort zum Nachschlagen, denn eine Körnungsnummer bedeutet bei jedem Hersteller etwas anderes. Also haben wir einen geschaffen.
Eine Achse für die Größe des Korns, das tatsächlich schneidet. Die Korngröße in Mikrometern ist das eine physikalische Maß, das alle Schleifmittel gemeinsam haben. Die auf einen Stein gedruckte Körnungsnummer ist eine Bezeichnung. Bei verschiedenen Herstellern stimmen Nummer und Größe nicht immer überein. Diese Tabelle ordnet jedes Schleifmittel auf derselben Achse ein und zeigt offen, wie sicher ein Wert ist und wie breit die Korngrößen tatsächlich streuen.
Ein Mikrometer ist ein Millionstel Meter, ein Tausendstel Millimeter. In dieser Einheit werden Schleifkörner tatsächlich gemessen: Die Körnungsnummer ist nur eine Bezeichnung, der Mikrometerwert beschreibt die Größe. Das gröbste Schleifkorn hier ist breiter als ein menschliches Haar. Die Korngröße ist nur ein Teil des Schleifverhaltens. Auch das Material, die Kornform und die Bedingungen beim Schärfen beeinflussen das Ergebnis.
In einem einheitlichen, maßstabsgerechten Größenverhältnis dargestellt, links grob, rechts fein. Die allergröbsten und allerfeinsten Körnungen sind weggelassen: Maßstabsgerecht würden die einen alles andere überragen, die anderen unsichtbar werden. Die Größentabelle unten enthält den vollständigen Bereich.
Die Alltagsvergleiche verwenden typische Größen (ein menschliches Haar etwa 50 bis 100 Mikrometer, Pollen 10 bis 100). Sie vermitteln Größenverhältnisse, keine exakten Messwerte.
Ein Schleifmittel besteht nie aus Körnern nur einer Größe. Seine Korngrößen verteilen sich um einen Median. Neben der Verlässlichkeit eines Wertes erfasst diese Tabelle deshalb auch die Verteilung. Zwei Steine können dieselbe mediane Korngröße haben und dennoch unterschiedlich schleifen: Beim einen liegen die Größen eng beieinander, beim anderen streuen sie stark. Eine breite Verteilung enthält einzelne grobe Körner, die tiefere Riefen hinterlassen, als die Körnungsangabe erwarten lässt. Eine enge Verteilung schleift gleichmäßiger und erzeugt eine feinere Oberfläche.
breite Korngrößenverteilung
enge Korngrößenverteilung
Gleicher Median, unterschiedliche Verteilung. Die Körner beider Gruppen sind im Mittel etwa gleich groß. Links reicht die Verteilung von fein bis grob, rechts liegen die Größen eng beieinander. Veröffentlicht ein Hersteller oder eine Norm die Verteilung, stellen wir sie als Band dar. Andernfalls zeigen wir einen Punkt und vermerken, dass die Verteilung unbekannt ist.
Die Korngröße ist eine Eigenschaft, die sich auf einer einzigen Skala darstellen lässt. Sie beschreibt nicht das gesamte Schleifverhalten. Auch das Mineral zählt: Aluminiumoxid, Siliciumcarbid, Diamant und CBN schleifen bei gleicher Korngröße unterschiedlich. Ebenso wichtig ist das Verschleißverhalten: Brechen Körner auf und bilden neue scharfe Kanten, oder werden sie rund und glätten nur noch? Wie hart sind sie im Verhältnis zum Stahl, und welche Schneidenform hinterlassen sie? Zwei Schleifmittel können denselben Mikrometerwert haben und sich bei der Arbeit dennoch völlig anders anfühlen. Diese Tabelle erfasst die Größe. Alles Weitere lässt sich durch den Gebrauch erfahren.
Eine scharfe Schneide braucht nur wenige Steine. Einen groben, um die Fase anzulegen oder Ausbrüche zu entfernen; einen mittleren, um die groben Riefen auszuschleifen; einen feinen, um die Politur für einen sauberen Schnitt zu erreichen. Zwei oder drei Steine schärfen fast alles in einer Holzwerkstatt. Ein Abziehmedium ist optional und nützlich zum schnellen Auffrischen zwischen dem Schärfen. Wer die Fase geübt flach auflegt, kann die Arbeit auch allein auf den Steinen abschließen.
Die Zahl der Körnungsstufen wächst, weil der Markt jede mögliche Zwischenstufe besetzt. Stahl braucht sie nicht alle. Stellen Sie zwei benachbarte Körnungen in dieser Tabelle nebeneinander: Ihr Abstand ist klein, oft kleiner als der Unterschied zwischen zwei Chargen desselben Steins oder zwischen seiner nassen und trockenen Verwendung. Der Wechsel von 1000 auf 1200 bringt fast nichts. Die eigentliche Arbeit leisten die großen Schritte zwischen einem groben und einem feinen Stein.
Wir stellen selbst ein Schärfsystem her (ZenSharp: eine grobe, eine mittlere und eine feine Karte sowie eine Abziehkarte). Bedenken Sie also, dass hier ein Beteiligter mit eigenen Interessen sagt, Sie bräuchten weniger Steine, als Sie denken. Wir wollten die Tabelle vollständig anlegen und jedes auffindbare Schleifmittel erfassen. Denn ein Überblick über das ganze Angebot zeigt am schnellsten, wie wenig davon tatsächlich nötig ist.
Unsere grundlegende Gestaltungsentscheidung
Ein gemeinsamer Maßstab für alle Körnungsangaben
Eine Körnungsnummer ist kein Messwert. Schleifpapier P400, ein Wasserstein #400 und eine Diamantplatte mit 400 Mesh haben drei unterschiedliche Korngrößen. Selbst zwei Wassersteine mit #1000 von verschiedenen Herstellern stimmen selten überein. Es gibt keine Norm, die alle abdeckt. Um Produkte miteinander vergleichen zu können, braucht diese Tabelle daher einen gemeinsamen Maßstab. Diesen mussten wir auswählen.
Wir verwenden JIS R6001, die japanische Norm für Mikrokörnungen. Sie deckt den breitesten beim Schärfen tatsächlich genutzten Bereich ab (#240 bis #8000), definiert jede Körnungsstufe durch eine gemessene Verteilung statt durch einen Einzelwert und verwendet die Nummern, an denen sich ohnehin die meisten Wassersteine orientieren. Wir legen eine glatte Kurve durch die Normwerte, sodass sich jeder Körnungsnummer ein Mikrometerwert zuordnen lässt. Jenseits der Endpunkte setzen wir den Verlauf der Norm fort. Diese Fortsetzung ist als unsicher gekennzeichnet, denn die betreffenden Körnungen sind in keiner Norm definiert. Das ist keine neue Norm und ersetzt weder JIS noch ISO. Es ist eine Lesehilfe, die zeigt, wo eine Körnungsnummer tatsächlich liegt. Jede Produktseite nennt diesen Vergleichswert.
587 Einträge in 104 Serien. 132 sind durch Normen definiert, 242 stammen von Herstellern, 172 sind geschätzt. Nur für 180 ist eine Verteilung veröffentlicht; die übrigen 407 sind einzelne Punkte mit unbekannter Verteilung. Der Balken jeder Serie zeigt diese Zusammensetzung mit kräftigen bis blassen Flächen.
Eine offene Einladung
Sie stellen Schleifmittel her? Helfen Sie uns, ihre Körnung zu erfassen
Wenn Sie Schleifmittel zum Schärfen herstellen oder verkaufen, interessieren uns Ihre gemessenen Korngrößendaten: der Median in Mikrometern, die Verteilung, sofern vorhanden, und das Messverfahren. Wir kennzeichnen die Daten als Herstellerangaben, nennen Sie als Quelle und korrigieren fehlerhafte Angaben. Ein Nachschlagewerk ist nur so gut wie seine Quellen. Und über eine Körnung wissen diejenigen am besten Bescheid, die sie klassifizieren.